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eine erzählung...

eine zeit lang besuchte er regelmässig, wenn der abend dämmerte, ihr grab.


und immer, wenn er den friedhof betrat, berührte die sonne die erde.

und es war, als brächte er die nächtliche dunkelheit - die so voller einsamkeit war -

nicht nur in seinen kleidern, sonder als wären sie teil seiner selbst, mit in diesen garten.

und immer war es eine weisse rose, die er behutsam zu ihren füssen ablegte.


doch eines tages hörte er, dass, jenseits des meeres, wieder ein totengräber gesucht wurde.

und es schien ihm als ob dieser garten jetzt auch ganz ohne ihn sein konnte. so beschloss er,

sich auf den weg zu machen.


es war am abend des dritten tages. er hatte sich an den wegrand gesetzt um ein wenig auszuruhen.

denn diese reise war mühsam und voller hindernisse. und er war müde.


vielleicht war er eingeschlafen. denn ob das, was er dann erlebte, wirklich geschah oder doch nur

ein seltsamer traum war, das wusste er hinterher selbst nicht zu sagen...


eine frau kam den weg gegangen.

auch sie - wie er selbst - dunkel gekleidet. ihr langes rotes haar, das sie, entgegen der sitten des landes, nicht kunstvoll frisiert, sondern offen trug, fing die letzten strahlen der sonne auf und erglühte wie feuer.


"haben die abendglocken schon geläutet?"


wandte sie sich an ihn.


"das kann ich nicht sagen, denn ich habe sie niemals gehört."


und da erkannte sie ihn. voller schrecken trat sie einen schritt zurück:


"du... du bist der totengräber!"


zorn flammte in ihrem blick auf:


"du hast mir alles genommen. alles was mir wert war im leben.

zuerst meine kinder. selbst das kleinste hast du mir aus der wiege gerissen.

und mein mädchen, das immer so angst hatte im dunkeln... aber selbst das hat dir nicht gereicht.

den einzigen, der mir hätte beistehen können in meiner trauer, in meinem schmerz... warum musstest du mir auch den mann nehmen?"


sie hatte die hand, wie zum schlag, erhoben.


"ich selbst habe niemals getötet."


sagte er und richtete sich auf.


"aber es war der garten. dein garten. er war so schön, dass viele vor ihrer zeit von ihm träumten."


jetzt war es nur traurigkeit, die aus ihren worten klang.


er legte seine hand, wie um sie zu trösten, auf ihren arm:

"der, der nach mir kommt, wird daraus wieder einen gewöhnlichen friedhof machen.

und du hast mein versprechen, ich komme niemals mehr hierher zurück."


"aber warum gehst du denn überhaupt weg?"


und jetzt traute sie sich, ihm in die augen zu schauen.

aber was sie sah, liess sie fast zu tode erschrecken.


dunkelheit. vollkommene dunkelheit. nicht der geringste abglanz des sonnenuntergangs

spiegelte sich darin. sie waren nicht tot, aber es schien, als hätten sie alles licht in sich aufgenommen und gäben es nicht wieder her.




1 Kommentar 2.2.16 04:14, kommentieren

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